BIBLIOTHEK

Die Bibliothek des Museums ist eine wissenschaftliche Fachbibliothek, vor allem ist sie die Sammelstelle von Erstausgaben, illustrierten, von den Verfassern dedizierten oder mit Notizen versehenen Büchern sowie vollständigen Bibliotheken von Schriftstellern.

Allgemein bekannt ist, dass die ungarischen wissenschaftlichen Sammlungen (z.B. Nationalmuseum) sowie die als Vorläufer unseres Museums geltende Gedenkstätte, das Petőfi-Haus durch öffentliche Spenden bzw. große Buchsammlungen begründet worden waren. Die hereinkommenden Nachlässe wuren in den Institutionen im Rahmen des neu ausgestalteten Systems der Sammlungen – unabhängig vom einstigen Possesor – im gemeinsamen (einzigen) Bibliotheks-Lagerraum aufbewahrt. Die Bibliothek unseres Museums weicht vor allem darin von der Praxis der öffentlichen Bibliotheken ab, dass bei der Bearbeitung der Bücher ein Possesor-Katalog über die einzelnen Stücke der einst zusammengehörenden Schriftstellerbibliotheken aufgestellt wird. Das Museum verfügt angesichts seiner Vergangenheit von einem halben Jahrhundert über eine einzigartige Bibliotheks-Sammlung, die etwa 200 schriftstellerische Bibliotheks-Nachlässe (Bibliothek in der Bibliothek) enthält.

Bücher stellen nicht nur einen physisch existierenden Buchbestand, sondern auch eine Quelle zur Kenntnis des vollständigen Lebenswerkes dar, deren Bearbeitung zu den, den kritischen Textausgaben vorangehenden Grundforschungen gehört. Das eigene Buch stellt in sich betrachtet eine Informationsquelle dar, sein Wert wird jedoch umso größer, je mehr es “abgenutzt ist” bzw. je markanter es die Charakteristika, in erster Linie die Handschrift seines Eigentümers, an sich trägt. Das Buch kann verschiedene Texte, sogar Gegenstände oder sonstige Informationen verbergen. Es ist beinahe sicher, dass die Büchersammlung des lesenden Schriftstellers durch die Lektüren und die verschenkten Bücher in allen Fällen das Spiegelbild der zeitlichen Schichtung des Lebenslaufes beinhaltet. Die weitgehend unterschiedlichen Gewohnheiten der schöpferischen Arbeit und des Gebrauches von Büchern sowie Bibliotheken, die einander mal folgen, oder mal gleichzeitig, einander bestärkend vorkommen, hinterlassen ohne Zweifel ihre Spuren in den Bibliotheken der einzelnen Schriftsteller.

Die Grundlagen unserer Sammlung erbten wir vom Petőfi-Haus, deshalb möchten wir auf die Petőfi-Bände in der Erstausgabe hinweisen, wenn wir auf die Schätze unserer Sammlung aufmerksam machen. Diese gelten auch heute als grundsätzliche Quellen der wissenschaftlichen Forschung – vor allem der Textausgaben. Unter ihnen befindet sich z.B. ein Exemplar des Werkes “A helység kalapácsa” von Petőfi, das vermutlich mit der Zeichnung des Dichters illustriert wurde. In der Sammlung des Petőfi-Hauses wurde auch die Privatbibliothek von Mór Jókai aufbewahrt, deren etwa 1500 Bände auch als Quellen für die Romane des Schriftstellers galten. In dieser Sammlung sind auch die von den zeitgenössischen Autoren dedizierten Bände, sowie die ungarischen Ausgaben der Jókai-Werke bzw. die Übersetzungen der Werke von Petőfi und Jókai zu finden. Besonders interessant sind in der Sammlung die anspruchsvollen Alben mit individuellem Einband, die Buchraritäten, sowie die Geschenke, die der Schriftstellerfürst zu seinem 50jährigen schriftstellerischen Jubiläum erhalten hat.

Eine der wichtigsten Aufgaben unserer Bibliothek ist, die Erstausgaben, die zensierten Bände und Korrekturexemplare der ungarischen Literatur zu sammeln und diese Sammlung möglichst zu komplettieren, denn die Bibliothek dient nicht nur der wissenschaftlichen Forschung, sondern die Originalexemplare werden oft auch ausgestellt. Eine Spezialität der Bibliothek ist, dass sie auch die Verlegereinbände, die Verleger- oder Druckmarken, die sonstigen Buchbindermarken, die Namen der Meister, die den Schutzumschlag oder das Titelblatt entworfen haben bzw. die Adressen der Werkstätte beachtet. In unserem Schutzumschlagkatalog werden die Künstler mit Verweisen eingeordnet.

Auch unsere Zeitschriftensammlung verfügt über Raritäten. Es gibt in unserer Bibliothek zahlreiche Periodika, die in den Sammlungen unserer Partnerinstitute nicht zu finden sind, wie z. B. die vollständigen Jahrgänge des ersten ungarischen Zeitschrift Magyar Museum (1788/89–1792), auf denen die Korrekturen und Ergänzungen des Redakteurs János Batsányi (1763–1845) mit schwarzer Tinte zu lesen sind. Viele Originalexemplare unserer Zeitschriften haben noch den vollständigen Einband sowie die selten vorkommenden Beilagen. Zu erwähnen ist auch die Sammlung der in der Emigration erschienenen ungarischen Zeitschriften. Die etwa 1000 Titel enthaltende Sammlung verfügt über Periodika, die nur in unserem Museum zu finden sind.

Die Buch- und Zeitschriftensammlung wird durch die aus 30.000 Titeln bestehende Sammlung der Kleindrucke mit mehreren Raritäten organisch ergänzt. In der Sammlung von 1848/49 sind mehrere Exemplare der während der Revolution von 1848/49 redigierten Zwölf Punkte (15. März 1848, Pest) zu finden, deren Druck- und Textvarianten aufbewahrend. Eine Rarität stellen sämtliche zeitgenössische Exemplare des Nationalliedes dar, von denen unsere Sammlung mehrere besitzt. Die Sammlung der Kleindrucke wurde später um Literatur bezogene Einladungen, Programme, Plakate, Abonnementsaufrufe, Notenblätter von vertonten Gedichten und sonstige Gelegenheitspublikationen erweitert. Eine herausragende Bedeutung haben Kleindrucke, die im Zusammenhang mit der Tätigkeit der ungarischen Emigration entstanden sind. Die aus etwa 5000 Titeln bestehende Sondersammlung enthält vor allem Einladungen und Reklamen.

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten unseres Sammelkreises, dass wir auch eine Sammlung von Zeitungsausschnitten zusammenstellten, welche Reflexionen über die ungarischen Schriftsteller und ihre Werke beinhalten, und die in fast allen Nachlässen, die wir erhalten, vorkommen.

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